Frauenwald-historisches

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Und hier einige Berichte und Fotos von der Fahrt zum 20-jährigen Jubiläum der Verschwisterung (11. - 12. September 2010)

Frauenwald feierte die Deutsche Einheit mit Partnergemeinde

Eva Söllner ist drei Stunden zur vermutlich ersten Deutschen-Einheits-Feier in diesem Jahr gefahren.

Frauenwald. Für die neue Bürgermeisterin aus der Partnergemeinde Liederbach im Taunus (im Speckgürtel von Frankfurt) ist es das erste Mal. Schwarze Schiefer und weiße Fenster sind ihr aufgefallen, im "Drei Kronen" wird sie übernachten. Der Osten aber ist ihr nicht fremd. Als Hoferin erlebte sie den Begrüßungsansturm nach der Wende unmittelbar. Noch bevor die Grenzen offen waren hat sie sich auf Goethes Spuren begeben und sie macht seit 12 Jahren Ferien am Darß.

In Frauenwald nahm sie an der Einheits-Feier in der Kirche teil, wo Bürgermeister Frank Amm die Wende in kurzen Sätzen Revue passieren ließ. Fünf Betriebe weggebrochen, Verlust der Schule als größten Einschnitt erlebt. Das die schlechten Nachrichten, die guten: Bei 1000 Einwohnern hat Frauenwald immerhin 50 Gewerbebetriebe, emsige Vereine, starke junge Sportler in den Winterdisziplinen, die am Samstag einen Blumenstrauß erhielten. Fazit: "Unser Ort Frauenwald ist ein blühender Ort geworden, einer der schönsten auf dem Höhenrücken des Thüringer Waldes.

Darauf können wir alle stolz sein." Darauf stießen sie mit den Einwohnern vor der Kirche mit Sekt an Stehtischen an, während die Versorgung der Feuerwehr und dem Kirmesverein oblag. Die Stützerbacher Gruppe "Weckn Aehr" setzte ihre Konzert nach dem Auftritt in der Kirche im Freien fort. Derweil gab es auf der Empore eine Diskussionsrunde zur aktuellen Ausstellung "Von Liebe und Zorn - Jung sein in der Diktatur". Darin geht es um Jugendliche, Fetzer und Barry, die in den real existierenden Sozialismus geboren wurden, die lange Haare trugen, Westmusik hörten, mit der Polizei anbandelten, die freier sein wollten, als es ihnen der Staat erlaubte. Und immer wieder an Grenzen gestoßen sind, auch körperlich. Einer der Macher der Ausstellung, Uwe Kulisch, war Straßensozialarbeiter in Jena, und zählte sich mit zu dieser Gruppe Unangepasster. Man wollte gesellschaftlich wahrgenommen werden, "wir waren keine Nische". Gewollt habe er dieses vereinigte Deutschland mit seinem Kapitalismus nicht, sagte Kulisch, sondern ein reformiertes System. "Der Sozialismus war gut, hat aber nicht für die Mehrheit ausgereicht", sagte ein Zuhörer und ging vorzeitig.
(Quelle: Thüringer Anzeiger vom 13.09.21010)

Nachstehender Artikel wurde entnommen: "Freies Wort" vom 13.09.2010

Diese Zeit darf nicht vergessen werden
Von Anke Kruse
Den Auftakt zu den Feierlichkeiten im Ilm-Kreis zum 20. Jahrestag der Wiedervereinigung gab am Samstag die Gemeinde Frauenwald.

 

Kurator Uwe Kulisch (r.) erläutert einer jungen Besucherin die Wanderausstellung "Von Liebe und Zorn. Jung sein in der Diktatur".

Frauenwald - Ungewöhnlich rockige Musik drang am späten Samstagnachmittag durch die Mauern der Schinkelkirche in Frauenwald.
Die Gruppe Weck'N Aehr aus Stützerbach ließ hier zur Feier der 20-jährigen Wiedervereinigung das Gotteshaus beben. Etwas später waren die Musiker dann noch in einem Open Air-Konzert vor der Kirche zu erleben. "Wir machen hier in Frauenwald den Anfang für die Feierlichkeiten im Ilm-Kreis, weil wir die Veranstaltung diesmal im Freien durchführen wollten. Und dafür ist es bei uns hier oben im Oktober erfahrungsgemäß schon zu kalt", erklärt Bürgermeister Frank Amm den zeitigen Termin für die Jubiläumsfeier.

Mit der Veranstaltung in der Kirche wolle man zudem ein Zeichen setzen, so der Bürgermeister weiter. "Vor der Wende wäre kein Politiker auf die Idee gekommen, so etwas in einer Kirche zu veranstalten. Aber wir sind stolz auf unsere Schinkelkirche und mit den Musikern von Weck'N Aehr haben wir bereits gute Erfahrungen gemacht. Die Musik kommt bei allen Generationen an. Und eine Feier soll schließlich fröhlich und locker sein." Seit rund 20 Jahren unterhält die Gemeinde Frauenwald auch freundschaftliche Beziehungen zu ihrer hessischen Partnergemeinde Liederbach. Deren Bürgermeisterin, Eva Söllner, war am Wochenende mit einer Delegation hier zu Gast und sagt, dass viele Menschen das nach der Wende Geschaffene bereits als selbstverständlich hinnähmen. "Dabei musste man doch um so vieles lange Zeit hart kämpfen, das dürfen wir nicht vergessen." Wenn sie an die Wendezeit denke, sei sie sehr froh, dass alles so gekommen sei.

Jung sein in der Diktatur
Eingebettet in die Jubiläumsveranstaltung gab es am Samstag auch eine Podiumsdiskussion zur Wanderausstellung, die noch diese Woche in der Kirche zu sehen ist. Sie trägt den Titel "Von Liebe und Zorn - Jung Sein in der Diktatur". Kurator Uwe Kulisch erklärte, wie die Ausstellung über Rolf Günzler alias "Fetzer", Peter Rein alias "Barry" und ihre Erfurter Freunde überhaupt zustande kam und was sie dokumentiert: Die jungen Leute träumten vor rund 30 Jahren von einer besseren Welt in Liebe und Toleranz, sie träumten von San Francisco und Paris und von Pink-Floyd-Konzerten. Aber sie lebten in der DDR, hinter einer Mauer und diese Dinge waren für sie unerreichbar ... Über zehn Jahre hatte Rolf Günzler Fotos, Belege und Dokumente gesammelt. Aus diesem Fundus hat der Verein Freiheit e.V. aus Erfurt die Ausstellung zusammengestellt.

Die Podiumsgäste erinnerten sich an eigene Erlebnisse. So durften Kinder nicht zur EOS und wurden angefeindet, weil die Eltern selbstständig waren, Vorwürfe wurden laut, dass damalige Stasi-Spitzel noch heute Ämter bekleiden und frühere Parteimitglieder als Wendehälse ihr Fähnchen in den Wind hielten ... Zustimmendes Kopfnicken bei den Gästen: Ja, so war es damals ...

Gemeinderätin Jutta Ewald hat die Idee gehabt, diese Ausstellung anlässlich der Jubiläumsfeier nach Frauenwald zu holen, wie sie sagt. Dieser Ort sei zu DDR-Zeiten von Stasi regelrecht umringt gewesen mit Bunker und Stasi-Heim. Das habe die Menschen hier geprägt. Mit der Ausstellung solle man sich wieder an die Repressalien erinnern, unter denen die Menschen hier gelitten hätten. Man könne eine Brücke schlagen zur Vergangenheit und sich erinnern, wie es war. "Es ist ein Stück Geschichte, das nicht in Vergessenheit geraten darf. Es muss in den Geschichtsunterricht einfließen, denn es reicht nicht, diese Zeit jungen Menschen heutzutage nur in Projekten und Vorträgen nahezubringen." Nach der Podiumsdiskussion trafen sich die Frauenwalder und ihre Gäste beim Open-Air-Konzert mit Weck'N Aehr vor der Kirche , um 20 Jahre Wiedervereinigung zu feiern.

Und hier noch einige Bilder von unserem Besuch, geschossen von Monika E. Braun :

Die Gruppe Weck'N Aehr
Der Frauenwälder Bürgermeister Frank Amm
Unsere Liederbacher Bürgermeisterin Eva Söllner
Die Empore in der Frauenwälder ev. Kirche
Der Kirchturm in Frauenwald
Nochmals St. Nicolai in Frauenwald
Sowie  Liederbacher die Hämmel (Oberliederbach)und Gäns (Niederhofheim) sind, sind die Frauenwälder volksmundlich die "Hasen"